Europas 3 betrunkene Matrosen

Tschechien, Ungarn und Österreich sind neuerdings nicht nur Nachbarn, sie sind auch Opfer. Opfer einer vermeintlich missglückten Impfpolitik der EU. Alle 3 Länder kämpfen mit miserablen Impfmanagement und viel zu hohen Infektionszahlen. Doch schuld ist nicht das eigene Zögern oder der mäßig erfolgreiche Schlingerkurs, sondern die EU. Weder Andrej Babiš, noch Viktor Orbán oder Sebastian Kurz wollen Fehler gemacht haben. Darin ist man sich einig. Stattdessen schiebt man sich nun als Allianz der Vergessenen lächerliche Mengen an Impstoff zu, um damit die eigene Freundschaft zu betonen – geeint durch den Ausschluss aus der Impfstoffverteilung der EU. Vor allem Sebastian Kurz hat sich schwer verzockt. Obwohl Österreich sogar über dem EU Durchschnitt lag, forderte er mehr Impfdosen, nötigenfalls auch unter Verhinderung anderer Lösungen, was nicht wenige als Erpressung gesehen haben. Es folgte der Ausschluss.

Auch für Andrej Babiš und Viktor Orbán läuft es derzeit nicht. Beide Länder kämpfen mit viel zu hohen Ansteckungsraten. Nach dem Ausschluss aus der Neuumverteilung stützt man sich nun gegenseitig mit entsprechenden Schuldzuweisungen. Doch der Schein trügt. Das Modell betrunkene Matrosen funktioniert nur so lange alle Kurs halten. Schert einer aus, fallen alle um. Ob diese Allianz halten kann, scheint daher zumindest fragwürdig. Vor allem Sebastian Kurz ist dafür bekannt, Freund und Feind auch gern nach Tageslage zu vertauschen. Anti-europäisch ist diese Allianz allemal, dabei braucht es in einer Krise vor allem Solidarität. Doch gegen die hatte man gemauert. Nun sollen es 70.000 Impfdosen, die medienwirksam herumgeschoben werden, richten. Eine Menge, die an einem Tag verimpft ist. Wir sehen hier sattes politisches Versagen inszeniert als Brüderlichkeit unter Freunden, Ausgetragen über den Köpfen von fast 30 Millionen Menschen.

Harald Bauer, Bundesvorstand der Piratenpartei Österreichs dazu:

Nach heftigen außenpolitischen Niederlagen inklusive Gesichtsverlust für das ganze Land, hat Sebastian Kurz seine Joker langsam aufgebraucht. Nun bleibt ihm nur noch die Schmuddelecke, wo er sich mit Anti-Europäern wie Babiš und Orbán gemein macht, um nicht völlig isoliert dazustehen. Es ist ein trauriges Schauspiel und unter der Würde unseres Landes. Sebastian Kurz ist rücktrittsreif. Er hat innenpolitisch wie außenpolitisch völlig versagt und verbringt seine Zeit als Kanzler nur noch damit, die Korruptionsvorwürfe gegen seine Partei abzuwehren. Dass wir auch mitten in der größten Krise der 2ten Republik stecken, ist für ihn nur eine lästige Nebensache.

Mikuláš Peksa, Europaabgeordneter der Piratenpartei Tschechien:

Die Ablehnung der europäischen Solidarität ist nicht nur ein sinnentleertes politisches Symbol. Es ist eine schädliche Entscheidung, die unnötigen Verlust von Leben verursachen wird. Diese nationalistische Allianz hat die Impfproblematik zynisch genutzt, um ihre eigenen wirtschaftlichen und geopolitischen Interessen auf Kosten unserer Bürger:innen zu fördern.

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