Predictive Policing: Wir wissen was du morgen getan hast

Vollkommen selbstverständlich nützen wir die zahlreiche Angebote des Internets und posten und liken fleißig auf Social Media Plattformen. Dass wir dabei einen riesigen Daten-Schatten hinterlassen, ist nur den wenigsten Bewusst. Konzerne wie Google, Facebook und andere, die diese Daten über Jahre sammeln und speichern, können mithilfe von Datenanalyse-Tools sehr genaue (Persönlichkeits-)Profile erstellen und wissen zum Teil mehr über uns als wir selbst [1]. Wer weiß schon, was er oder sie in den letzten 5 Jahren gegoogelt hat?

Die mehrheitlich kostenlosen Angebote zeigen vor allem eins: Wir sind nicht mehr Kunden dieser Unternehmen, sondern Produkte. Facebook wirbt auf seinem Angebot für Unternehmen ganz offen damit, die richtige Zielgruppe für bestimmte Angebote zu finden [2]. Auf Basis von Facebook-Likes ist es einfach Aussagen über Sexualität, Politische Ansichten u.v.m zu treffen [3]. Durch die deutlich umfangreichere Datenbasis der Geheimdienste, die auch in Österreich Telekommunikationsdaten anzapfen zukaufen, sind die möglichen Aussagen entsprechend präziser und umfangreicher.

Doch nicht nur Geheimdienste sondern auch die offiziellen Teile des Staatsapparates sind an diesen Daten interessiert: „Predictive Policing“ ist eine Methode der Polizei um mithilfe von Datenanalyse Verbrechen vorauszusagen. Die USA, unterstützt durch große Internetkonzerne wie IBM und Microsoft, sind Vorreiter dieser Technologien, aber auch in Österreich sind solche Systeme im Einsatz. Hierzulande kommen die Daten vom österreichischen Sicherheitsmonitor sowie dem zentralen Datenanalyse- und Speicherungssystem der Polizei, umfassen aber auch weiter Kennzahlen wie die Zahl der Arbeitslosen oder Angaben zur Infrastruktur im jeweiligen Gebiet [4].

Der Wunsch der Industrie und bestimmter Behörden, möglichst umfassenden Zugriff auf diese Daten zu erhalten, sie besser analysieren zu können und die gewonnenen Erkenntnisse zu nutzen, gerät dabei zunehmend in Konflikt mit Persönlichkeitsrechten des Einzelnen.
— Wikipedia [5]

In Russland fließen jetzt auch Daten aus sozialen Netzwerken ein um Trends zu Erkennen und „Massenunruhen zu verhindern“ [6]. Wie im Film „Minortiy Report“ werden diese Daten herangezogen um (zukünftige) Täter zu ermitteln [7]. Konkret heißt das also, dass Demonstrationen frühzeitig erkannt und somit effektiv unterbunden werden können. Das Recht auf Versammlungs- und Meinungsfreiheit wird damit noch stärker eingeschränkt und beteiligte Personen können ohne große mediale Aufmerksamkeit ruhig gestellt werden.

Jeder Mensch hat das Recht auf freie Meinungsäußerung; dieses Recht umfasst die Freiheit, Meinungen unangefochten anzuhängen und Informationen und Ideen mit allen Verständigungsmitteln ohne Rücksicht auf Grenzen zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.
— Art. 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte [8]

Zusätzlich erhält die Bevölkerung die Möglichkeit „Extremisten“ zu melden und wird vor illegalen Demonstrationen über ein App gewarnt. Bis zu 5.400€ Strafe und 50h gemeinnützige Arbeit drohen Teilnehmern von illegalen Demonstrationen [6]. Es bleibt abzuwarten ob diese „Täter“ künftig präventiv verhaftet und (ohne Prozess) in „Verwahrung“ gebracht werden, damit sie besagte „Verbrechen“ nicht begehen können [7].

[1] http://www.spektrum.de/news/was-facebook-likes-ueber-uns-verraten/1326951
[2] https://de-de.facebook.com/business/overview
[3] http://www.bbc.com/news/technology-21699305
[4] http://futurezone.at/digital-life/polizei-sieht-mit-datenbanken-verbrechen-voraus/24.583.952
[5] http://de.wikipedia.org/wiki/Big_Data
[6] http://futurezone.at/netzpolitik/russland-will-demos-mithilfe-von-software-vorhersagen/131.769.523
[7] http://de.wikipedia.org/wiki/Minority_Report
[8] http://www.un.org/depts/german/menschenrechte/aemr.pdf

Beitragsbild „Predictive Polcing“: Zusammengestellt von Peter aus „The Wizard“ by  Sean McGrath and „server rack zoomed in“ by  CWCS Managed Hosting (http://www.cwcs.co.uk/)

Ein Kommentar

  1. 1

    ich finde es schon drollig, wie man sich angesichts individuell vernichtender „Kostenbeteiligungen“ bei Demos, verschärfte Genehmigung und entsprechenden Risiken für Verstöße, immer wieder auffällig uniform ausgestatteten schwarzen Blöcken auf ein von unserem Freiheitsstreben bedrohten Russland kapriziert, – das vielleicht einfach mehr in Ruhe gelassen sein will.

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